Seit nun mehr zehn Jahren treten Nachwuchsunternehmer in den Wettstreit um den Titel Jungmakler des Jahres. Von den Anfängen bis zum heutigen Tag hat sich viel getan. Wir blicken zurück auf eine Dekade JungmaklerAward. Wie hat sich die Branche seitdem verändert? Und wie der JungmaklerAward? Welche neuen Herausforderungen müssen Unternehmer heute lösen? Und was macht den Wettbewerb so einzigartig? Dazu haben wir mit Teilnehmern, Veranstaltern und Juroren gesprochen.

Große Ziele des JungmaklerAward

Konrad Schmidt, Geschäftsführer bbg Betriebsberatungs GmbH

Die Keimzelle für den heute bekanntesten Nachwuchswettbewerb der Branche sitzt in Bayreuth. Die bbg, bekannt als Veranstalterin der Leitmesse DKM und Herausgeberin eines der wichtigsten Branchenmedien, hatte sich für den Award ein wichtiges Ziel gesetzt, erklärt Geschäftsführer Konrad Schmidt: „Wir wollten mit dem Award zeigen, dass es in der Branche viele gut ausgebildete, junge, hochprofessionelle unabhängige Vermittler gibt. Und damit gleichzeitig am dicken Brett des schlechten Images der gesamten Assekuranz bohren.“ Keine leichte Aufgabe, war das Image durch die bekannten vertrieblichen Exzesse der 80er, 90er und frühen 2000er Jahre doch stark ramponiert.

Imagepflege

Image und Außenwahrnehmung der Branche waren auch zwei der wichtigsten Beweggründe für den Jungmakler der ersten Stunden, Stefan Beckmann. Mit seinem damaligen Unternehmen Medicuritas konnte er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. „Mir war es wichtig, als positives Beispiel in der Branche wahrgenommen zu werden“, erklärt er zurückblickend. Dass der Award seinen Beitrag zur Imageaufbesserung leistet, dessen ist er sich sicher. Denn durch ihn, so Beckmann, würden „regelmäßig Unternehmensgründer mit guten und mutigen Ideen vorgestellt und ausgezeichnet“. Und das trage nachhaltig dazu bei, „das Image der Branche und der Menschen in dem Berufszweig positiv darzustellen“.

Digitalisierung ändert das Business

Steffen Ritter, Geschäftsführer Institut Ritter

Als Reflektion der Branche hat sich auch der Wettbewerb über die Jahre hinweg weiterentwickelt. Und somit natürlich auch die Teilnehmer, weiß Steffen Ritter. Er begleitet vom Start weg als Coach und Juror den Jungmakler Award. „Im Vergleich zu vor zehn Jahren haben sich die Unternehmen aus meiner Sicht deutlich stärker auf einzelne Zielgruppen fokussiert“, erklärt er im Interview. Das hat aus seiner Sicht insbesondere mit der Digitalisierung zu tun: „Unternehmer können heute viel genauer ihre Zielgruppen ansprechen und targetieren. Passiv und automatisiert Kunden zu gewinnen, ist deutlich wichtiger als noch vor zehn Jahren. Und darauf haben sich die Unternehmer eingestellt“, schildert Ritter.

Vom Makler zum „Prozessmanager“

Gleichzeitig müssten sie aber auch andere Herausforderungen lösen. Die Verwaltung, so Ritter, sei deutlich anspruchsvoller und umfangreicher geworden. In Anbetracht der regulatorischen Entwicklungen der vergangenen Jahre wenig verwunderlich. „Makler müssen die Prozesse so schlank wie möglich gestalten, um nicht im Verwaltungswust zu ersticken“, mahnt Steffen Ritter. Ein Makler müsse heute viel stärker als früher ein Prozessmanager sein. Auch bbg-Chef Konrad Schmidt sieht eine gewisse Entwicklung im Teilnehmerfeld. „In der Anfangsphase Wettbewerbs gab es deutlich spektakulärere Konzepte und Nischen seitens der jungen Makler.“ Heute hingegen sei diese „Extravaganz“ einer solideren, professionelleren Seriosität gewichen, so Schmidt.

Gerät die Männerdomäne ins Wanken?

Jennifer Brockerhoff, Geschäftsführerin Brockerhoff Finanzberatung

Wichtige Änderungen stieß der Wettbewerb auch in anderen Bereichen an: Bereits von Anfang an sind auch Unternehmerinnen beim JungmaklerAward präsent. Nicht selbstverständlich in der traditionellen Männerdomäne Versicherung, in der Frauen auch heute noch oft im Hintergrund agieren und eher im Service tätig sind. Und doch konnte bereits 2012 Jennifer Brockerhoff den Titel erringen. Und obwohl sie der Branche noch großen Nachholbedarf attestiert, stimmt sie Eines positiv: „Wenn ich mir den JungmaklerAward anschaue, von den Anfängen bis heute, bin ich zuversichtlich, dass sich viel tut. Beispielsweise wenn ich die aktuellen Ausgaben der AssCompact aufschlage und dort die Interviews mit spannenden, jungen Unternehmerinnen lese, die nicht nur hoch qualifiziert, sondern auch modern, motiviert und digital unterwegs sind. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder.“

Eine Plattform für Vorbilder

Und dafür bietet der JungmaklerAward auch zehn Jahre nach seiner Einführung eine hilfreiche Plattform. Denn dass sich die Teilnahme gleich unter mehreren Gesichtspunkten lohnt, daran besteht kein Zweifel. In erster Linie gehe es beim Wettbewerb nach wie vor darum, zu reflektieren, erklärt Initiator Konrad Schmidt: „Die Teilnehmer wollen sich selbst und ihr Geschäftsmodell hinterfragen und entwickeln. Und sich vor einer Jury aus langjährigen Branchenkennern beweisen“, so der Geschäftsführer der bbg. Außerdem seien es die wertvollen Impulse für das eigene Unternehmen und der Ausbau des Netzwerks, die eine Teilnahme so attraktiv machen, betont Schmidt. Und hält fest: „Da treten die Preisgelder in den Hintergrund.“

„Preisgelder treten in den Hintergrund“

Dem pflichtet auch Jurymitglied und Coach Steffen Ritter bei. Gerade die Vernetzung der Teilnehmer untereinander unterschätzten viele zu Anfang, so Ritter. Und erklärt: „Hier sind schon einige Kooperationen entstanden und zum Teil sogar Freundschaften. Das ist nur logisch, denn die Teilnehmer haben als Jungunternehmer häufig gleiche Fragestellungen und Herausforderungen zu lösen.“ Eine Erfahrung, die auch die Gewinnerin von 2012, Jennifer Brockerhoff machen konnte. Bis heute hält sie Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen von damals, hat sogar mit einigen zusammengearbeitet. „Das wäre in der Form sonst nicht entstanden“, erklärt die Unternehmerin rückblickend.

Wettbewerb oder Unternehmenswerkstatt?

Aber auch die Kontakte zur Jury spielen eine Rolle, weiß Steffen Ritter: „Der Wettbewerb bietet natürlich eine hervorragende Möglichkeit, um Kontakte zu Entscheidern der Branche auf höchster Ebene aufzubauen. Eine Gelegenheit, die junge Unternehmer schlicht aufgrund ihrer erst kurzen Tätigkeit gar nicht haben konnten“, betont Ritter.

Weichenstellung für die Zukunft

Stefan Beckmann, erster Gewinner des Jungmakler Award

Stefan Beckmann, Niederlassungsleiter Ecclesia

Neben dem Netzwerk-Aspekt ist die Unternehmensentwicklung ein essentieller Bestandteil des Wettbewerbs – und das von Anfang an. Daran erinnert sich auch der erste Jungmakler, Stefan Beckmann, gerne zurück: „Durch die Teilnahme am Award war ich kurz nach der Gründungsphase gezwungen, mich intensiv mit der Unternehmensidee, den Zukunftsaussichten und den Erfolgschancen meines Unternehmens zu beschäftigen. Dadurch konnte ich wichtige Stellschrauben nachjustieren und an der Unternehmensidee nachhaltig feilen.“ Den Sieg betrachtet er in dem Zusammenhang sogar eher als nachrangig. Denn in dieser Phase seien auch ohne Podiumsplatz Entscheidungen gefallen, „die in der rückwirkenden Betrachtung als Erfolgsauslöser eingestuft werden müssen“, so Beckmann.

„Der Award ist zum Qualitätssiegel geworden“

Mit Blick auf die zurückliegenden zehn Jahre lässt sich festhalten: Die Branche hat sich geändert. Auf der einen Seite sicherlich durch Gesetze und Rahmenbedingungen, aber auf der anderen Seite auch maßgeblich durch die handelnden Personen. Der JungmaklerAward ist über die Jahre zu einem Indikator und Impulsgeber für diese Entwicklungen geworden. Und nicht ohne Stolz resümiert bbg-Chef Konrad Schmidt deshalb: „Wir haben es geschafft, dass der Begriff Jungmakler sich in der Branche etabliert hat. Und zwar bis in die Vorstandsetagen. Er ist zu einem richtigen Qualitätssiegel geworden für den unternehmerischen Nachwuchs in der Versicherungsbranche.“

Botschaft angekommen

Dass Schmidt mit seiner Einschätzung richtig liegen dürfte, unterstreicht Jury-Kollege Steffen Ritter mit einer Anekdote: „Ich erinnere mich an eine Situation, in der ein Jungmakler-Kandidat der Bundesjury sein Geschäftsmodell präsentierte. Ich fand das Konzept klasse und war sofort begeistert. Dann blickte ich in die Augen meiner Jury-Kollegen und sah genau diese Begeisterung. Wohlgemerkt sind die Jurymitglieder gestandene, herausragende Persönlichkeiten der Branche. In dem Moment wurde mir klar, dass die Botschaft des Awards angekommen war. Nicht nur bei den Juroren, sondern insgesamt in der Atmosphäre des Wettbewerbs. Mutig zu sein, innovative, frische Konzepte zu präsentieren, das ist der Spirit des JungmaklerAwards.“

Mitmachen und Teil des JungmaklerAwards werden!

Also seid Ihr Jungunternehmer in der Branche und wollt die Plattform Jungmakler Award nutzen? Dann zögert nicht lange und nehmt teil! Zur Anmeldung geht es hier entlang. Und wer sich immer noch nicht entschließen konnte, für den hat der amtierende Jungmakler, Ingo Schröder von maiwerk Finanzpartner, nochmal zusammengefasst, warum es sich für Euch lohnt.

Titelbild: ©DKM

Beitragsbilder: ©Steffen Ritter; ©Jennifer Brockerhoff; ©DKM;